Baracoa – die Perle des Ostens

Wie ein surrealer Vorposten des karibischen Sozialismus ragt das malerische Baracoa ins Meer. Die 40.000 Einwohner zählende Stadt wurde 1511 gegründet und trägt den stolzen Beinamen „Ciudad Primada“ und damit die älteste bis heute existierende Siedlung auf der Insel. Zusammen mit Santiago de Cuba und Havanna ist sie ebenfalls Teil des Clubs der ehemaligen kubanischen Hauptstädte. Dabei wurde Baracoa erst 1965 auf dem Landweg erschlossen, als mit der „Farola“, eines der sieben Wunder der kubanischen Ingenieurskunst, die erste Passstraße von der Provinzhauptstadt Guantánamo aus fertiggestellt wurde.

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Baracoa ist mit Sicherheit eine der karibischsten Städte Kubas. Ihr Charme liegt vor allem in der Mischung aus klassizistischen Gebäuden im französischen Stil mit realsozialistischem Erbe, eingebettet in eine malerische Bucht die vom Tafelberg „El Yunque“ geschmückt wird. Wenn sich die ersten Sonnenstrahlen des Tages am frühen Morgen über dem Schiffswrack der Bucht spiegeln, fühlen sich viele Reisende hier noch stärker als sonst in Kuba in eine andere Zeit versetzt. Wenn Sie nach Kuba reisen und den Osten besuchen sollten Sie die Stadt nicht auslassen!

Historisch gesehen war die Gegend um Baracoa bereits lange vor Kolumbus von größter Bedeutung. Schon 500 v. Chr. befand sich hier eine wichtige Siedlungszone der indigenen Bevölkerung, deren Nachfahren sich zumindest im Genpool der Region gehalten haben. Viele Gesichter scheinen in der Gegend von Baracoa stärkere indigene Einflüsse zu zeigen als anderswo. Und auch zu Beginn der Kolonisierung stand die Gegend im Mittelpunkt: Noch immer streitet sich die Stadt mit Gibara um den Titel der offiziellen „Landungszone“, also dem Gebiet, in dem Christoph Kolumbus 1492 als erster Europäer die „Neue Welt“ betreten hat

Vieles ist anders in Baracoa als in anderen kubanischen Städten. Auch die Unterstützung für den Sozialismus scheint hier besonders ausgeprägt zu sein. Zwischen Plattenbauten und Palmen finden sich in Baracoa deutlich häufiger revolutionäre Graffitis als andernorts. Man spürt noch immer die Dankbarkeit der Bevölkerung für die Revolution, die diesen einst für Jahrhunderte so entlegenen Ort ab den 1960er Jahren in die Entwicklung des Landes mit aufgenommen hat.

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Heute lebt die Stadt neben dem Tourismus vor allem vom Kaffee- und Kakaoanbau. Der Großteil der landesweiten Erträge dieser beiden Pflanzen stammt aus der Region um Baracoa. Hier gibt es zudem eine Schokoladenfabrik, die 1968 von Che Guevara persönlich gegründet wurde und seitdem das ganze Land mit der Süßigkeit beliefert.

Am 4. Oktober 2016, wenige Wochen nach dem 505. Jubiläum, wurde Baracoa von Hurrikan Matthew schwer verwüstet. Obwohl glücklicherweise keine Todesopfer zu beklagen sind, sind nach ersten Schätzungen über 80 Prozent des Gebäudebestands beschädigt. Die 87 Touristen, welche sich zum Zeitpunkt des Hurrikans in der Stadt befanden, wurden in sichere Quartiere evakuiert. Auch wenn die Aufbauarbeiten des Katastrophenschutzes in Kuba in der Regel schnell voranschreiten, wird es wohl noch einige Jahre dauern bis die Stadt wieder in altem Charme erblüht.

Sehenswürdigkeiten

  • Die Catedral de Nuestra Señora de la Asunción ist die älteste Kirche des Landes. Sie wurde 1833 und zuletzt 2011 bis 2013 restauriert. Dort findet sich auch das Cruz de la Parra, welches Christoph Kolumbus bei seiner Landung 1492 angeblich höchstpersönlich in einem Strandabschnitt bei Baracoa in den Boden gerammt haben soll. Papst Johannes Paul II. hat der Reliquie bei seinem Kuba-Besuch 1998 seinen Segen gegeben. Seitdem zieht es jedes Jahr viele Menschen zum „Kolumbus-Kreuz“ in die Kirche von Baracoa. Direkt gegenüber der Kirche befindet sich eine Büste des Indianer-Häuptlings Hautey, der einst lieber in die Hölle als in einen Himmel voller Spanier kommen wollte. Er wurde 1512 von den Spaniern hingerichtet. Mit vorwurfsvoller Miene Blickt Hatuey schon seit vielen Jahrzehnten auf die erste Kirche der Neuen Welt, was dem Kunstwerk eine besondere politische Bedeutung verleiht.
  • Direkt bei der Kirche befindet sich der gemütliche Parque Independencia sowie ein kleiner Boulevard, der zum flanieren einlädt. Hier sollte man unbedingt der Casa del Chocolate einen Besuch abstatten. Für günstige Preise von wenigen kubanischen Pesos bekommt man hier frischen Kakao und lokale Schokoladenspezialitäten serviert. Die Casa del Cacao wurde vor wenigen Jahren speziell für Touristen aufgemacht. Sie sieht etwas schicker aus, bietet jedoch das selbe Angebot für deutlich höhere Preise. Das kleine Museum im Inneren ist dennoch sehenswert.
  • Kulturelle Höhepunkte in der Stadt sind vor allem die Casa de la Trova, in der Abends zu Livemusik getanzt wird sowie die Casa de la Cultura, die über eine frei zugängliche Kunstausstellung verfügt bei der auch Bilder von lokalen Künstlern erworben werden können.
  • Bei einem Spaziergang durch Baracoa sollte man auf keinen Fall das Castillo de Seburoco verpassen, welches direkt an einer malerischen Bucht am Ende der Stadt liegt. Darin befindet sich auch das Hotel El Castillo. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die anliegenden Fischerboote sowie das bereits legendäre Schiffswrack von Baracoa, welches schon seit vorrevolutionärer Zeit vor sich hin rostet.

Ausflugsziele rund um Baracoa

In wenigen anderen kubanischen Orten lädt die Natur so sehr zu Ausflügen ein wie in Baracoa. Die Stadt eignet sich hervorragend als Basis für Ausflüge in den Humboldt-Nationalpark, der für viele Naturenthusiasten ein Highlight ihrer Kuba-Reise darstellt. Doch auch die anliegenden Strände und Buchten müssen sich nicht vor der Konkurrenz aus anderen Landesteilen verstecken.

Alexander-von-Humboldt-Nationalpark

Der „Parque Nacional Alejandro de Humboldt“, wie das Gebiet auf spanisch genannt wird, ist das größte Naturschutzgebiet Kubas. Aufgrund seiner extrem hohen Artenvielfalt wurde das Areal 2001 zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt. Der Humboldt-Nationalpark umfasst eine Fläche von 706 km² auf der gut 2.000 verschiedene Arten leben. Gut 80 Prozent von ihnen sind endemisch, d.h. sie sind evolutionär auf diesem Raum entstanden und kommen auch nur dort natürlich vor. Zu den bekanntesten zählen die Landschnecken der Gattung Polymita, die mit ihren wunderschönen Gehäusen unter Naturschutz stehen. Trotzdem werden sie immer wieder an Touristen verkauft, was die Parkranger dazu veranlasst vor dem Kauf zu warnen, da die Art als stark gefährdet gilt. Auch das „Monte-Iberia-Fröschchen“, welches mit nur wenigen Millimetern Länge bis vor kurzem noch als kleinster Frosch der Welt galt, zählt zu den endemischen Vertretern der Fauna.

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Baracoas Umgebung – spannende Ausflugsziele

Der Park kann nur im Rahmen einer geführten Tour betreten werden. Das Besucherzentrum an der Bahía de Taco bietet Touren verschiedener Länge und mit verschiedenen Schwerpunkten an. Von einer anderthalbstündigen Bootstour für 5 CUC bis hin zur ausgedehnten Wanderung für 15-20 CUC sind verschiedene Programme im Angebot. Touren durch den Park können von Baracoa aus in den Büros von Cubatur und Gaviotaturs gebucht werden (beide in der Innenstadt in der Nähe der Kirche).

Bahía de Miel

Die „Honigbucht“ zählt zu den malerischsten Flecken, die einem auf Kuba begegnen können. Wie in einem Buch von Joseph Conrad fühlt man sich, wenn man die alte Holzbrücke über den Río Miel überquert, die von zahlreichen Holzbooten umrandet wird. Von Baracoa aus erreicht man den Ort am einfachsten, wenn man vom Stadion aus zu Fuß dem Strand bis zum Ende folgt.

Playa Maguana

Einer der schönsten Strände in Kubas Osten befindet sich nur wenige Kilometer von Baracoa entfernt. Auf etwa halbem Weg zum Humboldt-Nationalpark Richtung Norden findet man mit Playa Maguana einen noch recht entspannten Strand, der bereits über die übliche Strand-Gastronomie verfügt. Ein Ausflug hierher lohnt sich allemal: Mit seinem kristallklarem Wasser und dem weißen Sandstrand mit Muscheln lässt der Ozean bei Baracoa keine Wünsche offen.

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Tafelberg El Yunque

Eine hervorragende Aussicht genießt man vom Tafelberg „El Yunque“ aus, den man am besten mit einem erfahrenen Führer erreicht. Touren können von Cubatur und Gaviotatur im Stadtzentrum gebucht werden und sind witterungsabhängig.