Matanzas

Die Hauptstadt Matanzas der gleichnamigen Provinz wird wegen ihrer künstlerischen Traditionen und ihrem klassizistischen Theater auch das „Athen Kubas“ genannt. Auch wenn der Vergleich ein wenig übertrieben sein mag: die 150.000 Einwohner-Stadt hat mit ihren reichen Wurzeln in der afrokubanischen Kultur, ihren malerischen Brücken und Flussufern sowie einem von drei „großen“ klassischen Theatern des Landes so einiges zu bieten.

Matanzas ist ein ruhiger Ort gemessen an der fast schon hektischen Betriebsamkeit im nur 100 Kilometer entfernten Havanna mit seinem ausschweifenden Nachtleben. Wer in Havanna ist und ein paar Tage Ruhe und Entspannung sucht und vielleicht bereits genug vom Landleben in Viñales, Soroa und Las Terrazas auf seiner Kuba Rundreise gesehen hat, der ist in Matanzas genau richtig. Ein weiterer Vorteil der Stadt ist ihre Nähe zu den Stränden in Varadero, die mit dem Auto in weniger als einer Stunde zu erreichen sind.

Die Stadt selbst liegt in einer Bucht. Auf dem Weg dorthin merkt man bereits, woher sie ihren Zweiten Beinamen als „Stadt der Brücken“ hat: nicht weit befindet sich mit der „Puente de Bacunayagua“ Kubas höchste und längste Brücke, von der aus man manchmal Bungeespringer beobachten kann. Matanzas ist eine alte Hafenstadt, die ab dem 17. Jahrhundert zu größerem Wohlstand gelangte. Vor allem der Sklavenhandel und der Zuckerrohranbau in der Umgebung machten Matanzas zu einem wichtigen regionalen Zentrum – und sind auch die Ursache für die starken Traditionen der afrokubanischen Kultur.

Anreise

Mit dem Bus: Wie alle Provinzhauptstädte ist auch Matanzas gut über die staatliche Buslinie „Víazul“ zu erreichen. Von Havanna aus verkehren vier Mal täglich Busse, die Fahrt dauert rund 2 Stunden und kostet 7 CUC.

Mit dem Zug: Die charmanteste Weise von Havanna nach Matanzas (und umgekehrt) zu reisen ist mit Sicherheit der Hershey-Train, die einzige elektrische Eisenbahnlinie der Karibik. Der Zug wurde einst in den 1940er Jahren zum Transport von Zuckerrohr gebaut. Heute fungiert er als günstiges und äußerst entschleunigtes Transportmittel zwischen den beiden Städten. Vom Bahnhof Casablanca in Havanna verkehre täglich drei Züge (Abfahrtszeiten siehe Aushang). Die Fahrt dauert etwa dreieinhalb Stunden und kostet 2 CUC.

Sehenswürdigkeiten

  • Das 1863 eröffnete Teatro Sauto am Plaza de la Vigía zählt zu den kulturellen Wahrzeichen der Stadt. Zusammen mit dem Teatro Terry in Cienfuegos und dem Teatro Martí ist es eines von drei prachtvoll gestalteten klassizistischen Theatern Kubas und einer der Höhepunkte der Architektur des 19. Jahrhunderts auf der Insel.
  • Vom Theater erkundet man die Stadt am besten weiter Richtung Parque Martí, an dem sich das Museo Farmacéutico befindet. In der ehemaligen Apotheke lassen sich originale Schränke, Gefäße und anderes Werkzeug der Apothekenkunst des 19. Jahrhunderts bestaunen.
  • Der malerische Parque Libertad mit seiner Freiheitsstatue lädt zum verweilen ein. Ganz in der Nähe befindet sich auch die emblematische Kathedrale der Stadt. Sie wurde 1693 errichtet und im 19. Jahrhundert restauriert.
  • Die Brücken entlang des Río San Juan laden zu einem gemütlichen Abendspaziergang ein. Hier lässt es sich gut flanieren, entlang der Uferpromenade verbirgt sich eine Kunstgalerie.
  • Nachtschwärmer kommen in Matanzas mittlerweile auch auf ihre Kosten. Die altbekannte Diskothek La Salsa hat mittlerweile durch das trendige Galaxia im Osten der Stadt Konkurrenz bekommen.

Ausflüge in die Umgebung von Matanzas

  • Von Matanzas aus lassen sich die umliegenden Strände von Varadero sehr einfach mit Bus oder (Colectivo)-Taxi erreichen. Viele feierwütige Kubaner gehen an den Wochenende auch in die Nachtklubs von Varadero, wo deutlich mehr geboten wird als in Matanzas.
  • Wer noch mehr „Kuba pur“ sehen möchte, sollte einen Ausflug in das Städtchen Cárdenas erwägen. Einst von Piraten und Schmugglern heiß umkämpft, bietet der kleine Fischerort mit seinen Pferdedroschken vor allem Ruhe und Erholung an.
  • Zu den schönsten Naturschauspielen in der Nähe von Matanzas zählen die Höhlen von Bellamar, welche sich optimal in Form eines halbtägigen Ausflugs erreichen lassen. Am einfachsten erreicht man die östlich der Stadt gelegenen Höhlen mit dem eigenen Mietwagen oder dem Taxi. Hier findet sich zwischen Stalagniten und Kristallformationen die interessanteste Höhlenlandschaft der Provinz Matanzas. Der Eintritt kostet 5 CUC, die Fotoerlaubnis ebenfalls.

SPEZIAL: Ausflug in die Schweinebucht.

Wer mehr über Kubas Geschichte lernen möchte, sollte von Matanzas aus die Gelegenheit für einen Ausflug in die „Bahia Gíron“, die Schweinebucht nutzen. Hier fand im Jahr 1961 eine von der CIA unterstützte Invasion Exilkubanischer Söldner statt, mit dem Ziel, die junge Revolution zu stürzen. Für die Angreifer wurde das Unternehmen zum Fiasko, binnen 72 Stunden wurden alle Soldaten militärisch besiegt bzw. gefangen genommen. Fidel Castro leitete die Verteidigung der Schweinebucht damals persönlich und veranlasste, dass die in Kriegsgefangenschaft geratenen Soldaten gegen Medikamente eingetauscht wurden. Die gescheiterte Invasion in der Schweinebucht markiert einen wichtigen Moment kollektiver Erinnerung in der jüngeren kubanischen Geschichte. Bis heute begeht Kuba die Zeit des 17. April mit einem Gedenktag, der von einer Ferienwoche, der „Woche des Sieges“ eingerahmt wird.

Heute erinnert an dieser überaus friedlichen Bucht nur noch wenig an die Schlachtszenen von damals. Ein Hotel mit mehreren Campinghütten bietet interessierten Besuchern Unterkunft, ein zum 55. Jahrestag frisch restauriertes Museum erinnert an die Schlacht von damals und kann mit originalem Kriegsgerät aufwarten. Die Bucht selber ist dabei weitgehend unspektakulär. Die riesigen Betonwellenbrecher im Meer verleihen der Szenerie etwas surreales. Auch wenn sich anderswo schönere Strände finden: Ein Ausflug zur Schweinebucht lohnt sich schon allein aufgrund des historischen Ambientes.

Von Matanzas führt der einfachste Weg zur Schweinebucht mit dem eigenen Mietwagen bzw. privaten Taxi über die Landstraßen zur Südküste. „Playa Girón“ ist etwa 150 Kilometer von der Stadt entfernt und relativ schlecht an den öffentlichen Verkehr angebunden. Von Matanzas aus muss mit einer Anreisezeit von zwei bis drei Stunden gerechnet werden, was den Strand noch immer für einen Tagesausflug ohne Übernachtung qualifiziert.

Wer sich gerade in Cienfuegos befindet kommt auch mit deutlich weniger Zeit zur Schweinebucht. Die rund 80 Kilometer lange Anreise sollte sich in gut anderthalb Stunden bewerkstelligen lassen.

Tipp: Nicht weit weg vom „eigentlichen“ Strand in Playa Girón befindet sich das kleine Taucheridyll Caleta Buena. In dem abgetrennten Areal, das größtenteils aus natürlichen Meeresbecken besteht, lässt es sich hervorragend Schnorcheln während die Vielfalt der kubanischen Unterwasserwelt an einem vorüberzieht. Die Anlage ist etwa 8 Kilometer von Playa Girón entfernt. Der Eintritt kostet 15 CUC und beinhaltet ein all-you-can-eat Buffet. Wer über keine eigene Schnorchelausrüstung verfügt kann sich hier für 3 CUC entsprechendes Equipment ausleihen.